Anssi Vanjoki
Nokia verharmlost seine Probleme
Nokias sympathischer Vorstand Anssi Vanjoki sprach mit zwei deutschen Wirtschaftszeitungen, denn Nokia verliert Marktanteile, macht Verluste und will endlich das Ruder herumreißen. Doch diese neue Richtung sollte schon vor zwei Jahren eingeschlagen werden. Nokia verspielt langsam seinen Kredit.
Dem Handelsblatt sagte Vanjoki, in Zukunft wolle Nokia sich mehr auf Design und Internet-Dienste konzentrieren. Die Wirtschaftswoche schrieb sogar, Nokia könnte in Zukunft keine Handys mehr selbst produzieren. Das Unternehmen stellte heute jedoch klar, dass man nicht plane, sich von diesem Kernbereich zu trennen.

Mit dem N900 hat Nokia nicht nur einiges anders, sondern auch besser gemacht
Der erste Irrtum: Vanjoki erweckt den Eindruck, dass Nokia technisch alles im Griff habe. Aber so dominierend Symbian in den zurückliegenden Jahren auch war, der Vergleich mit modernen Betriebssystemen wie iPhone OS, Palm webOS und Google Android zeigt, dass Symbian an seine Grenzen gestoßen ist.
Die Touchscreen-Variante Symbian S60 5th Edition findet sich nicht in Handys, die mit dem iPhone konkurrieren können. Die altbewährte 3rd Edition wird man zukünftig fast nur noch in einfachen Smartphones finden. Dieses Kapital ist irgendwann aufgebraucht.
Der erste Joker: Mit Maemo hat Nokia ein Betriebssystem für Oberklasse-Smartphones in der Hand. Das Nokia N900 ist besser, als man von dem ersten Handy mit einem neuen Betriebssystem erwarten konnte.
Der zweite Irrtum: Ein paar Internet-Dienste werden den Erfolg zurückbringen. Vanjoki sagte dem Handelsblatt, Nokia müsse "zu einem Anbieter von internetbasierten Dienstleistungen werden". Eine abstrakte Forderung führt aber noch lange nicht zu konkreten Produkten, die von den Kunden angenommen werden.
Anssi Vanjoki besuchte einige WirtschaftsredaktionenEigentlich hat Nokia diesen Weg bereits vor zwei Jahren eingeschlagen. Die Ovi-Dienste sollen diese Anbindung ans Internet herstellen. Doch sie lassen sich nur mit einem Nokia-Handy nutzen - und sind nicht einmal gut.
Der Ovi Store ist unübersichtlich. Ovi Kontakte bietet zu wenig Felder für ein gutes Adressbuch. Die Navigation von Ovi Karten kostet Geld. Der Abstand zu Google ist in fast allen Bereichen spürbar.
Der zweite Joker ist dann aber doch wieder Ovi. Nokia hat nicht nur diese Dienste entwickelt, sondern auch ein riesiges Potential an Entwicklern. Dieses müsste genutzt werden, um die Dienste auf Augenhöhe mit Google zu heben, diese kostenlos zu machen und von der einseitigen Bindung an Nokia-Handys zu befreien.
Der dritte Irrtum ist das platte Gummistiefel-Argument. Vor hundert Jahren habe Nokia sein Geld mit der Produktion wasserfester Schuhe verdient. Mit anderen Worten: Geschäftsmodell ändern, dann funktioniert es wieder. Aber was einmal gelingt, geht oft beim zweiten Mal schon daneben.
Vor dieser Blauäugigkeit muss sich Nokia am meisten fürchten.
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