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Kommentar: Erobert Google das mobile Internet?

Es brodelt die Gerüchteküche: Google entwickelt einen eigenen Handybrowser, Google entwickelt ein eigenes Handy, Google wird sogar Betreiber eines eigenen Mobilfunknetzes. Das Wall Street Journal sprach mit einem Insider, der mehrere Prototypen des Google-Handys gesehen haben soll. Die genaue Quelle wird nicht genannt. Eine Zusammenfassung ist auf Golem nachzulesen. Google enthält sich derweil eines Kommentars. Worum geht es eigentlich?

Was hat Google mit dem Handy vor?
Was hat Google mit dem Handy vor?
Selbstverständlich geht es um Geld. Dienste, die man vom heimischen Computer kennt, auch auf dem Smartphone zu nutzen, ist eine schöne Sache. Das geht aber bereits jetzt schon. Google-Suche, Google Maps, Google Mail, YouTube - bereits jetzt lassen sich diese Dienste mit dem Handy aufrufen. Googles eigentliches Ziel ist es aber, Werbung auf mobilen Websites zu schalten. Braucht es dafür wirklich einen Browser, ein Handy oder ein Mobilfunknetz?

Die Prototypen, die Google entwickelt hat, sollen mehr sein als bloß ein gebrandetes Handy, wie man es von T-Mobile, Vodafone und O2 kennt. Dort wird der Bildschirm in die eigenen Farben getaucht und eine gut erreichbare Taste unwiderrufbar mit der kostenpflichtigen Einwahl ins mobile Internet belegt. Das hat Google sicherlich nicht im Sinn.

 

Nicht weniger als UMTS, WLAN, und GPS

 

Die Prototypen scheinen vielmehr eine Vorlage zu sein, nach der die Handyproduzenten eigene Geräte entwickeln können - unabhängig davon, ob letztlich ein Google-Logo darauf steht oder nicht. Exklusive Partnerschaften soll es nicht geben und die Plattform allen offen stehen. Google versucht vielmehr einen Standard festzulegen.

Dieser wird allerdings mehr beinhalten als die Dienste, die man jetzt schon auf dem Smartphone installieren kann. Google wird stärker ins System eingreifen. Wozu sonst wäre ein Prototyp notwendig? Die Vorgehensweise erinnert an Palm, die den ersten Palm Treo mit dem Betriebssystem Windows Mobile erst auf den Markt brachte, nachdem Microsoft ihnen erlaubt hat, das System den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Wenn Palm schon auf dem Gerät steht, sollte auch Palm drinstecken. Nichts anderes scheint Google vorzuhaben.

Vorbild für das Google-Handy?
Vorbild für das Google-Handy?
Die Prototypen soll es laut Wall Street Journal in verschiedenen Formaten geben: selbstverständlich im Format eines Blackberrys (oder Palm Treo) und in einem Querformat, wobei nicht gesagt wurde, ob dieses eher einem Nokia E90 Communicator oder einem T-Mobile Ameo gleicht. Gemeinsam sollen allen Geräten sein, dass sie sowohl über UMTS als auch über WLAN ins Internet gelangen und zusätzlich eine Kamera und einen GPS-Empfänger integriert haben. Wem fallen da nicht gleich Google Adsense, Google Mail, Google Maps und Picasaweb ein, um diese Technik zu nutzen?

 

Nicht alle Gerüchte müssen wahr werden


Wenn die Gerätehersteller sich an diese Spezifikation halten, ist es fast nebensächlich, ob Google gleichzeitig einen eigenen Browser dazuliefert. Interessant ist allerdings die Frage, wie lange der Akku bei so vielen stromhungrigen Komponenten hält. Wer jetzt das vermisst, was Apples iPhone verspricht - einen revolutionären Schritt nach vorne -, der hat recht. Google scheint bloß zu bündeln, was jetzt schon technisch möglich ist. Schließlich möchte man keinen Designpreis gewinnen, sondern mobile Werbung schalten.

Das Wall Street Journal mutmaßt sogar, dass Google letztlich Mobilfunkverträge ohne monatliche Fixkosten anbieten möchte. Die Dienste - zumindest der Zugang zum mobilen Internet - könnten dann komplett über Werbung refinanziert werden. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Abgabe eines Angebotes für kürzlich ausgeschriebene Mobilfunkfrequenzen wirklich ernst gemeint ist oder nur als Drohkulisse?

 

Nicht alle Gerüchte um Google werden Wirklichkeit werden. Enttäuschung wird aber dennoch nicht Einzug halten wie gerade beim Apple iPhone, denn Google wird auf die eine oder andere Weise den Zugang zum mobilen Internet angenehmer machen. Wen kümmert dann schon die klitzekleine Google-Anzeige auf jeder Seite?



3. August 2007 | 15:17 Uhr | Peter Giesecke | Trackback

Tags: Google, Browser, Handy, Smartphone, WSJ, Wall Street Journal


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