GSM
GSM-Telefonate entschlüsseln für 1.000 Dollar
Wenn man nicht gerade in der U-Bahn sitzt und die Öffentlichkeit lauthals an seinen Intimitäten teilhaben lässt, dann kann eigentlich niemand ein Gespräch mit dem Handy belauschen. Denn Telefonate und Kurznachrichten in GSM-Netzen werden mit einer 64-Bit-Verschlüsselung namens A5/1 gesichert. Damit ist es nun vorbei.

GSM-Verschlüsselung A5/1 (Bild: Matt Crypto; Quelle: Wikipedia)
Am Mittwoch stellten die Sicherheitsfachleute David Hulton and Steve Muller während der Black Hat Conference in Washington eine Methode vor, bei der man weniger als 1.000 Dollar für Technik ausgeben muss, die ein GSM-Telefonat innerhalb von 30 Minuten entschlüsselt. Bei so geringen Hürden kann dann auch der zwielichtige Nachbar einen Lauschangriff auf Sie starten.
Theoretisch wurde die Verschlüsselung bereits vor zehn Jahren geknackt. Doch war der Aufwand stets zu groß. Eine praktische Umsetzung ist nicht bekannt. Bei diesen wie auch bei der von Hulton und Muller entwickelten Methode handelt es sich um eine passive Entschlüsselung, bei der etwas Mathematik und pure Rechenpower eingesetzt wird.
Behörden arbeiten anders
Anders machen es die Sicherheitsbehörden. Sie schalten sich aktiv in ein Gespräch ein, indem sie eine GSM-Basisstation simulieren. Allerdings muss man sich dann in unmittelbarer Nähe des belauschten Handys befinden. Hier kostet die Technik auch wieder etwas mehr, und verboten ist es auch noch.
Es geht aber noch schneller. Hulton und Muller sagten, die Verschlüsselung von GSM-Telefonaten ließe sich sogar innerhalb von 30 Sekunden knacken. Dafür müsste allerdings mehr Aufwand getrieben werden. Unter anderem sei dafür eine Technik im Wert von 100.000 Dollar notwendig. Diese bessere Methode wollen sie dann auch an interessierte Firmen verkaufen.
Die Grundlagen für die 30-Minuten-Methode werden sie allerdings für jeden zugänglich veröffentlichen. Schließlich hätten sie nicht die GSM-Verschlüsselung entworfen, sondern lediglich die Angreifpunkte gefunden. Schon seit längerem wird an einer besseren Verschlüsselung A5/3 für GSM-Netze gearbeitet. Mit der Ablösung durch Mobilfunknetze nach dem UMTS-Standard wird das Problem aber auch so gelöst werden.

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