E-Plus

E-Plus: Das Ende eines Geschäftsmodells

Was nicht selbstverständlich ist, muss erklärt werden. Fragte niemand T-Mobile, warum sie das iPhone anbieten, so erklärte E-Plus-Chef Thorsten Dirks nun gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD) sein neues Geschäftsmodell: Das alte hätte sich ausgelaufen. Er meint damit allerdings nicht das eigene, sondern das aller Mobilfunker.

E-Plus-Chef Thorsten Dirks
E-Plus-Chef Thorsten Dirks
Mit dem bloßen Mobilfunknetz, mit Sprachtelefonie und SMS, ließen sich keine attraktiven Margen mehr verdienen, so Dirks laut FTD. Er wolle deshalb anderen Anbietern neue mobile Geschäftsmodelle ermöglichen und an deren Umsätzen beteiligt werden.

Dieser Kurs des strategischen Rückzugs ist allerdings nicht neu. E-Plus versucht schon seit längerem, sich auf den Kern des eigenen Geschäfts zu beschränken. Immer mehr Reseller verkaufen die Kapazitäten des E-Plus-Netzes. Das Netz selbst wird von einem externen Dienstleister betreut. Was für E-Plus übrig bleibt, ist die Pflege der Marke sowie die Gestaltung der Tarife und der Netzarchitektur.

Netzbetreiber auf der Suche

Schnell ist man sich einig, dass sich die Mobilfunkbranche im Umbruch befindet. UMTS ist kein bombastischer Erfolg geworden, MMS sogar ein Flop. Jetzt hofft man, dass die Kunden in Zukunft mehr Geld für das mobile Internet ausgeben werden. Doch dann kommt Apple und nimmt T-Mobile gleich wieder einen Teil davon weg. Zehn bis dreißig Prozent des Umsatzes munkelt man.

Die Netzbetreiber haben derweil unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. T-Mobile und Vodafone wollen Premiumanbieter bleiben. Und dennoch hat sich T-Mobile auf Googles Open Handset Alliance eingelassen. E-Plus wird zum Billigheimer. Bei O2 weiß man noch nicht, was man will. Aber die Kontrolle über Netznutzung und  Einnahmen hat man auf jeden Fall verloren.

Nutzer lassen sich nichts vorschreiben

E-Plus versucht nun, über feste Partnerschaften wieder etwas Kontrolle zu gewinnen. Das hat aber schon bei der WAP-Alternative i-mode nicht funktioniert. Das funktioniert auch nicht bei Vodafone Live und anderen mehr oder weniger geschlossenen Portalen oder Diensten.

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Mobilfunker stehen Passagen, die Voice-over-IP ausschließen. Es kann dennoch über das mobile Internet telefoniert werden. Einige Discounter sperren die Ports, die von Chat-Programmen genutzt werden, aber die Software baut die Verbindung dann über HTTP auf. Es findet sich immer ein Weg.

Auf Dauer werden die Mobilfunker nicht die Dienste außen vor lassen können, mit denen sie keine exklusive Partnerschaft eingegangen sind. Da mag E-Plus noch so viele Verträge abschließen.

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18. December 2007 | 12:52 Uhr | Peter Giesecke | Trackback

Tags: E-Plus, Financial Times Deutschland, FTD, Kooperation, Netzbetreiber


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