Sipgate One
Interview mit Sipgate-Chef Salmon (Teil 2): Mit Flatrate egal, welche Nummer wir anrufen
Seit Ende Januar bietet Sipgate in Deutschland mit Sipgate One eine Nummer an, unter der man auf allen Geräten erreichbar ist – ähnlich wie Google Voice in den USA. Wir haben mit Sipgate-Chef Thilo Salmon über den neuen Dienst gesprochen. Dies ist der zweite Teil des Interviews. Der erste Teil erschien bereits gestern.
Pocketbrain: Herr Salmon, vor drei Jahren haben Sie im Interview mit Pocketbrain gesagt, dass sich die Ortsrufnummer langfristig durchsetzen wird. Haben Sie sich geirrt?
Thilo Salmon: Ja, ich war davon ausgegangen, dass sich die Bundesnetzagentur verbraucherfreundlich verhält und die künstlichen Hürden bei der Rufnummernnutzung abbauen wird. Diese Einschätzung war möglicherweise naiv. Allerdings gibt es noch immer keinen Grund, warum ich meine Festnetzrufnummer ändern sollte, nur weil ich eine andere Stadt ziehe.

Sipgate-Chef Thilo Salmon sieht mehr Flatrates für Handy-Telefonate kommen
In einigen europäischen Ländern ist dies seit geraumer Zeit möglich. Ebenso ist es technisch problemlos machbar, eine Festnetznummer zu einem Handy zu portieren (oder auch umgekehrt), was ebenfalls in anderen Ländern bereits praktiziert wird. Letztlich geht es hier ausschließlich darum, Ausgleichszahlungen zwischen Mobilfunknetz- und Festnetzbetreibern mit Hilfe der genutzten Rufnummern abzugrenzen. Derzeit werden die Mobilfunker vom Rest der Branche subventioniert. Das ist widersinnig, zudem ein Verstoß gegen EU-Recht und wird sich nicht auf ewige Zeit aufrechterhalten lassen.
Wenn ich eine Ersatzvorhersage abgeben darf, dann dass die Bedeutung zwischen Orts- oder Mobilfunkrufnummern zurückgehen wird - wenn die Kosten für Telefonate weiter sinken, wovon auszugehen ist. Letztlich kann es uns als Verbraucher egal sein, welche Rufnummer wir anrufen, solange unsere Telefonate in Flatrates enthalten sind. Wir sollten uns also in drei Jahren wieder sprechen und dann betrachten, ob meine Kristallkugel dieses Mal schlauer war. Ich würde es mir wünschen, insbesondere als Kunde.
Pocketbrain: Sie erheben für Sipgate One keine monatliche Grundgebühr, stellen jedem Nutzer aber eine Mobilfunknummer bereit. Wie finanziert sich der Dienst?
Thilo Salmon: 'sipgate one' ist im jetzigen Stadium noch kein endgültig fertiges Produkt. Derzeit möchten wir lernen, wie unsere Kunden ein solches Mobilfunk-Produkt nutzen, welche Funktionen und Änderungen gewünscht werden, um 'sipgate one' so möglichst nah an den Bedürfnissen auszubauen.
Sicherlich werden wir unseren Kunden anbieten, auch vom Handy aus zu telefonieren, und dadurch das Produkt dauerhaft zu finanzieren. Genauso wie bei 'sipgate basic', das ebenfalls ohne Grundgebühr und Mindestumsatz nutzbar ist.
Pocketbrain: Rechnen Sie mit ähnlichen Angeboten in Deutschland? Von anderen SIP-Anbietern? Von den Mobilfunkern?
Thilo Salmon: Wir gehen davon aus, dass sich Telefonie weiter von den Netzen lösen werden wird. Es wäre deshalb naiv zu glauben, dass sipgate die Einzigen bleiben, die diesen Markt bedienen wollen.
Lesen Sie auch den ersten Teil unseres Interviews mit Thilo Salmon sowie das Interview mit dem Sipgate-Chef aus dem Jahr 2008.

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