Netzneutralität

Google will Vorfahrt im Handy-Netz

Sind alle Daten gleich? Diese Frage wird in den USA unter dem Stichwort Netzneutralität diskutiert. Google und Verizon haben nun einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der den Anschein erweckt, alle sollten den gleichen Zugang zu allen Diensten erhalten. Tatsächlich wird das Gegenteil gefordert.

"Die Nutzer sollen wählen können, welche Inhalte, Anwendungen oder Geräte sie nutzen", heißt es. Dies gilt aber nur für das Breitband-Internet, das DSL- oder Kabelanbieter ins Haus bringen.


Google-Chef Eric Schmidt will ein neutrales Netz und zwei große Ausnahmen
Google-Chef Eric Schmidt will ein neutrales Netz und zwei große Ausnahmen

Es gibt aber auch zwei Ausnahmen: 1. sogenannte zusätzliche Online-Dienste und 2. das Mobilfunknetz.

Einzelne Dienste am Handy bevorzugt


Jeder hat schon einmal erlebt, dass die Geschwindigkeit des Internetzugangs einbricht, weil ein Dienst alle anderen ausbremst - zum Beispiel wenn sich die Qualität eines VoIP-Telefonats verschlechtert, weil im Hintergrund große Datenmengen heruntergeladen werden.

In solchen Fällen ist es wünschenswert, wenn die VoIP-Daten bevorzugt behandelt werden. Gleiches gilt für das Streaming von Videos. Zu den "zusätzliche Online-Dienste" werden aber auch Daten im Gesundheitswesen gezählt.

Für den Mobilfunk wird eine solche Unterscheidung nicht vorgenommen. Egal, ob Internet-Fernsehen oder YouTube-Videos, ob Internetzugang über das Handy oder als Breitband-Intenet am Laptop – einzelne Dienste dürfen bevorzugt behandelt werden.

Technische Lösung ist ein Geschäftsmodell


In Deutschland gibt es dies bereits. Viele Mobilfunkverträge schließen bei der Datennutzung Instant Messaging, Voice over IP und Filesharing aus. In einigen Tarifen kann man einen Teil gegen Aufpreis wieder zubuchen.

Sicherlich lassen sich hier die gleichen technischen Argumente anführen wie im stationären Netz. Im Mobilfunknetz kommt es sogar häufiger zu Engpässen. Diese Ausnahme von der neutralen Behandlung aller Dienste ist aber auch ein Geschäftsmodell.

Google hätte das Geld, um seinen YouTube-Videos einen bevorzugten Weg auf das Handy zu kaufen. Netzbetreiber wie Verizon werden das Geld gerne nehmen, da ihre Gewinne aus Telefonaten seit Jahren sinken und diese nicht von Zuwächsen beim Datenverkehr ausgeglichen werden.

Mehr Einnahmen für Google


Je mehr Google-Inhalten angezeigt werden, desto höher fallen aber auch die Werbeeinahmen aus. Ein solches Modell ist fast schon nachhaltig.

Unklar ist, wie ein solches Modell reguliert werden soll. Auf jeden Fall sollen die Betreiber der Mobilfunknetze offenlegen, welche Datenströme sie bevorzugen und unter welchen Bedingungen. Zudem würde der Regulierer darüber wachen.

Bei diesem Vorschlag von Google und Verizon geht es vorerst um den US-Markt. Doch wenn auch die beiden Märkte in den USA und Europa bei der Gestaltung von Tarife unabhängig sind, so werden technische Neuerung schnell auch im anderen Markt zu finden sein.


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10. August 2010 | 18:09 Uhr | Peter Giesecke | Trackback

Tags: Netzneutralität, Google, Verizon, USA, Mobilfunknetz


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