Netzausbau

E-Plus und EDGE: Spät oder zu spät...

Das ist hier die Frage. Der Mobilfunker E-Plus baut endlich sein Netz mit EDGE aus. Was Technik-Chef Rafal Markiewicz vor ein paar Tagen in einem Interview ankündigte, wurde heute offiziell bestätigt.

Demnach wird E-Plus im Jahr 2009 einen dreistelligen Millionen-Betrag investieren und am Ende des Jahres 90 Prozent der Bevölkerung mit einem Internetzugang versorgen, bei dem man Daten mit 220 kbit/s auf sein Handy oder Laptop laden kann.

E-Plus-Chef Dirks wird nicht müde, den späten Netzausbau zu erklären
E-Plus-Chef Dirks wird nicht müde, den späten Netzausbau zu erklären
Warum ist E-Plus bloß so spät dran? T-Mobile hat bereits sein komplettes Netz mit EDGE versorgt. Vodafone ist kurz davor. Telefónica O2 steckt mitten im Ausbau.

Schneller nur für 35 Prozent

Die Kunden wird es freuen. Sie werden in einem Jahr fast flächenddeckend mit 220 kbit/s über EDGE statt mit 50 kbit/s über GPRS im Internet surfen können. E-Mails und mobile Websites lassen sich so schneller aufs Handy-Display zaubern.

Dies gilt aber nur, wo es noch kein UMTS gibt. 65 Prozent der Bevölkerung können bereits im E-Plus-Netz Daten mit bis zu 384 kbit/s herunterladen. Sie werden vom EDGE-Ausbau kaum profitieren.

Richtig schnell geht es aber erst mit HSDPA. T-Mobile, Vodafone und O2 setzen auf diese UMTS-Erweiterung. Downloads mit bis zu 7,2 Mbit/s sind damit möglich. E-Plus möchte nur punktuelle HSPDA-Hotspots errichten -an Uni-Standorten.

Neuere und günstigere Technik

Auf diese Weise kann der Student auch im Park recht schnell im Internet surfen. Begibt er sich auf Reisen, dann werden die Daten in den meisten Fällen aber nur noch auf den Laptop tröpfeln.

E-Plus-Chef Dirks betont in Interviews fast schon gebetsmühlenartig, dass die Technik im Vergleich mit den Frühstartern weiterentwickelt und sowohl in der Anschaffung als auch im laufenden Betrieb günstiger sei.

Unter anderem deshalb steht E-Plus auch wirtschaftlich gut da. In den letzten Jahren wurde wenig in den Netzausbau investiert. Der Netzbetreiber hat sich als Vorleister für Mobilfunk-Discounter positioniert.

Vorleister für Mobilfunk-Discounter

Dadurch hat sich auch die Kundenstruktur geändert. Es gibt einfach zu verstehende Tarife mit günstigen Preisen - egal, ob man Freunde anruft oder Daten abruft.

Wer wenig zahlt, muss sich in der Regel allerdings auch mit weniger Leistung zufrieden geben. Wer zuhause einen DSL-Anschluss gewöhnt ist und unterwegs über E-Plus online geht, wird wenig Spaß damit haben.

Der Weg von einem Premium- zu einem Discount-Anbieter ist E-Plus leicht gefallen. Der umgekehrte Weg wird, falls in Zukunft einmal gewollt, nicht mehr so einfach sein. Da hilft dann auch kein flächendeckendes EDGE-Netz.


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16. December 2008 | 18:59 Uhr | Peter Giesecke | Trackback

Tags: Netzausbau, E-Plus, EDGE, UMTS, HSDPA, Thorsten Dirks, Laptop, Notebook, Bevölkerung, Netztechnik


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